1947-01-22 Schumacher zur Hauptstadtfrage

22. Januar 1947: Schumacher zur Hauptstadtfrage

In einer Funktionärsversammlung am 22. Januar 1947 bezieht Schumacher in seiner Rede u.a. zur Hauptstadtfrage Stellung:
„Nun gibt es noch eine andere Berliner Frage. Der Vorsitzende der CDU in der britischen Zone hält sich politisch und moralisch für verpflichtet, die falsche Parole des Tages auszugeben. Er hat kürzlich einmal Frankfurt am Main zur Reichshauptstadt ernannt. Wenn ich schon das Wort „Reichshauptstadt“ höre, dann bin ich schockiert. Denn dieses Wort ist etwas zu pompös für die armselige mitteleuropäische deutsche Tatsache.
Also nehmen wir einmal die zukünftige politische deutsche Hauptstadt an, und da muss ich sagen: Die Entscheidung darüber ist ja durch die Siegermächte bereits gefallen. Sie haben ihre zentralen Instanzen hier etabliert, und in dem Augenblick, in dem in allen vier Zonen die gleichen politischen Rechte und die gleiche Bewegungsfreiheit herrschen, in dem Augenblick wird auch Berlin die Hauptstadt einer Zentralverwaltung und darauf folgend einer zentralen Regierung sein. Und in diesem Augenblick kommt auch der Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands von Hannover nach Berlin.
Es gibt gewisse Kulturkreis-Ideologien, die in beschränkten, aber auch in ganz gebildeten Köpfen spuken. Kürzlich hat ein sehr gescheiter Mann, dessen wirklich außerordentliches Wissen und Können ich schätze, einmal gesagt: Die zukünftige Hauptstadt darf nicht zwischen Kartoffeläckern, sie muss zwischen Rebhügeln liegen. Ich habe geantwortet, Deutschland wird nicht von Reben, sondern von Kartoffeln leben.“
(zit. nach: Arno Scholz: Leben und Leistung. in: Turmwächter der Demokratie. Ein Lebensbild von Kurt Schumacher. Hg. A. Scholz u. W. Oschilewski. Berlin 1954)

 

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