Richter, Hans Erich

Geschichte: Personen L-Z

Erich Richter

Trauer um Erich Richter

Der Einsatz für Freiheit und Demokratie und ein vielfältiges ehrenamtliches Engagement haben das Leben von Hans Erich Richter bestimmt.  Seine Heimatstadt Berlin hat er viele Jahre mitgeprägt, ob mit der  Jugendarbeit in  der Nachkriegszeit, in seiner Tätigkeit als Journalist oder als Organisator von vielbeachteten Seniorenveranstaltungen. Am 1. Juli 2017 ist er im Alter von 94 Jahren verstorben. Er bleibt als kluger, zugewandter Ratgeber in Erinnerung.

Erich Richter wurde am 21. April 1923 geboren, seine Jugend war von NS-Zeit und Krieg geprägt.  Wenige Tage nach seinem 22. Geburtstag war der Krieg vorbei, Zerstörung und Leid blieben. Für Erich Richter wurden  Frieden und der Aufbau einer demokratischen Gesellschaft  bestimmende Ziele. Im Oktober 1945 trat er der SPD bei, kämpfte gegen eine Vereinigung mit der KPD zur SED und gehörte zu den Mitbegründern des sozialistischen  Jugendverbandes „Die Falken“, in dem er  ehrenamtlich die Funktionen eines stellvertretenden Vorsitzenden und Pressereferenten übernahm. Mit Leidenschaft  führte er in Artikeln für den Informationsdienst der Falken die politische Auseinandersetzung, forderte ein neues  „Sozialistisches Manifest“ und warnte vor der FDJ, der er absprach, auf dem Boden der Demokratie zu stehen.  Als 1948 der 15jährige Falke Wolfgang Scheunemann durch Schüsse der Ost-Berliner Volkspolizei am Brandenburger Tor starb, nahm Erich Richter in einem bewegenden Nachruf Abschied.  „Wir wollen die Völker zu den hohen Idealen der Menschlichkeit zurückführen, für die du gefallen bist“, schrieb Richter.

Viele Jahre arbeitete Richter als Journalist, u.a. als Redakteur der Berliner Tageszeitung „Telegraf“ und für den RIAS. Nebenher leitete er ehrenamtlich von 1951 bis 1976 die Redaktion der Zeitschrift des Landesjugendrings „Blickpunkt“, die er zu einem spannenden Diskussionsforum entwickelte.  Im „Blickpunkt“ spiegelten sich die Entwicklung und die Debatten der Berliner Jugendverbände, Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre auch die Debatten der außerparlamentarischen Opposition. Die kontroversen Positionen führten 1970 dazu, dass der Berliner Senat eine Kürzung der öffentlichen  Zuschüsse für das Blatt ankündigte.  "Wir sind der SPD hier zu links", sagte der Sozialdemokrat Richter damals  dem „Spiegel“.

Daneben gab es noch ein ganz anderes Betätigungsfeld von Erich Richter. 1953 beauftragte der „Telegraf“ seinen jungen Mitarbeiter,  ein Seniorenprogramm zu organisieren. Richter entwickelte das Konzept eines Varieté-Programms.  Ab 1954 fanden die Veranstaltungen, zunächst im Titania-Palast, später in der Urania, ein begeistertes Publikum. Richter gelang es, Künstler wie Johannes Heesters. Lale Andersen oder Zarah Leander für die Seniorennachmittage zu gewinnen. Im RIAS führte Richter spannende Gespräche mit den Künstlerinnen und Künstlern.  Seine guten Kontakte führten dazu, dass er anspruchsvolle Programme zu bezahlbaren Preisen anbieten konnte.  Er organisierte, inszenierte die Veranstaltungen und moderierte sie.

Für seine vielfältige ehrenamtliche Arbeit und sein Engagement für eine friedlich-freiheitliche Gesellschaft wurde Erich Richter mehrfach ausgezeichnet.  Bundespräsident Gustav Heinemann ehrte ihn 1969 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, Bundespräsident Walter Scheel 1976 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und   Bundespräsident Horst Köhler 2004 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz.

Erich Richter starb friedlich im Kreise seiner Familie. Die Trauerfeier hat am Freitag, den 21. Juli 2017  in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin stattgefunden. 

Ulrich Horb

 

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